Sie befinden sich hier: Fitness Studio / Themen / Sport und Hitze!
19.11.2017 --- 4:18

Im Angesicht des Schweißes!

erschienen im Stadtmagazin BLICK. des Landkreises SFA - Ausgabe 05/2008 

 

Oh ja, der Sommer kommt, schon eine Woche mit Temperaturen, die es draußen höher als drinnen sind. Alles in uns will raus. Gut so. Leider sind wir Nordeuropäer nicht so wirklich auf Hitze eingestellt. Blond, hellhäutig, ewig sonnenbrandgefährdet und meist noch ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Abgesehen davon, treiben wir auch sehr gerne Sport unter Leistungs- und Wettkampfbedingungen. Sport unter Wettkampfbedingungen und Hitze, eine heftige und zugleich dumme Konstellation. Heftig, weil es dann gerade für untrainierte Menschen leicht zu einem Zusammenbruch des Herz- Kreislaufsystems kommen kann, dumm weil große Hitze für uns Nordeuropäer leistungsmindernd ist. Aber was passiert denn überhaupt mit unserem Körper, wenn wir uns bei Hitze mit Sport quälen. Er produziert Wärmeenergie, wenn wir uns bewegen (klar, uns wird ja auch warm). Gleichzeitig versucht er, die Körperkerntemperatur konstant zu halten. Ein Teil der Wärme geht einfach als abstrahlende Wärmeenergie in die Luft. Wenn wir uns sehr anstrengen, oder die Umgebungsluft zu warm ist, reicht das aber nicht mehr aus, und wir versuchen uns über die Verdunstung von Schweiß auf der Haut zu kühlen. Wie das funktioniert, kann man leicht ausprobieren, indem man eine Wasserflasche mit einem nassen Handtuch umwickelt und in die Sonne legt.

Hier gibt es schon die ersten Schwierigkeiten, denn viele Menschen schwitzen kaum. Unsere Thermoregulation ist etwas, das wir ebenso wie Ausdauer oder Kraft trainieren können. Jetzt sind diejenigen im Vorteil, die im Winter mal ein paar Saunagänge gemacht haben. Wenn unser Körper aber keine Möglichkeit mehr hat, über das Abdampfen des Schweisses auf der Haut Wärme abzugeben, dann wird es eng. Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Leistungsabfall können die Folge sein, im Extremfall kommt es zu Hitzekrämpfen, Hitzekollaps oder Hitzschlag. Haben wir zu wenig Wasser, Mineralstoffe und Elektrolyte zugeführt, geht das noch mal schneller. Normalerweise macht uns unser Körper schnell darauf aufmerksam, wenn er nicht mehr imstande ist, die Temperatur zu
regulieren. Das müssen wir in jedem Fall respektieren. Schwindel, Zittern, Gänsehaut, kalter Schweiss, Koordinationsschwierigkeiten sind klare Anzeichen gestörter Thermoregulation und müssen beachtet werden. Ab in den Schatten, trinken, setzen sind die ersten Maßnahmen, danach sollte die Haut mit Wasser gekühlt werden.

Dabei ist es gar nicht so kompliziert. Der Zeitraum von 11.30 bis 14.30 Uhr sollte eigentlich von Juni bis August tabu sein. Schön wäre es, wenn das auch mal bei den Olympischen Spielen beherzigt werden würde. Es macht keinen Sinn, Wettkämpfe oder intensive Trainings Mittags ab Temperaturen von über 25°C durchzuführen.

Für Wettkampfsportler besteht dann natürlich die entscheidende Frage darin, die richtige Flüssigkeits- und Elektrolyzufuhr zu finden. Unser Durstgefühl ist dabei kaum Hilfestellung, es setzt meist erst ein, wenn die Leistung schon kurz vor dem Abfallen ist. Wichtiger ist eher das Trinken vor und während der Belastung. Ein halber Liter Elektrolytgetränk oder gute Apfelschorle reichen eine halbe Stunde vor Beginn der Belastung. Während der Belastungen sollten dann kleine Mengen in kürzeren Abständen getrunken werden (100 - 150ml im 10 min Abstand). Viele Leistungssportler ermitteln ihren Wasserverlust, indem sie sich vor und hinter dem Wettkampf wiegen und aus der Differenz Ihren Wasserbedarf errechnen.

Zunehmend problematisch wird auch der Ozonbelastung der Luft, die bei empfindlichen Menschen unter Belastung zu Atembeschwerden. Diese Problematik entsteht oft auch schon unterhalb der Gesetzgeber zugelassenen 250 Mikrogramm/m³ Luft (darüber gibt’s Fahrverbot). Wer von sich weiss, daß er auf erhöhte Ozonwerte reagiert, hat dann in aller Regel allerdings nur die Möglichkeit, auf den Sport zu verzichten. Da die höchsten Konzentrationen in der Regel mit den hohen Tagestemperaturen, also zwischen 11 und 15 Uhr verbunden sind, dürfte das auch kein wirkliches Problem sein. Einfach auf Abend oder Morgen ausweichen.

Aus meiner beruflichen Sicht interessiert mich allerdings noch mehr, was Ottonormalsportlerin macht. Sehr viele Menschen betreiben Sport, um sich gesund zu halten, beziehungsweise, um die Folgen einer Erkrankung zu kompensieren. Nimmt jemand aber aufgrund einer Herz- Kreislauferkrankung (Hoher Blutdruck, koronare Herzerkrankung, Schlaganfall) Medikamente (in aller Regel blutdrucksenkende) ein, besteht eine noch größere Gefahr, dass die Thermoregulation bei körperlichen Anstrengungen aus den Fugen gerät. Wer ruhig Gewissens trainieren möchte, sollte einfach noch mal Rücksprache mit dem Hausarzt halten, bevor er sich unnötigen Risiken aussetzt. Trotzdem, bei allem was zu beachten ist, Sommerzeit ist Draussenzeit. Wir brauchen die Wärme des Sommers, um wieder aufzutanken, also keine Angst vor Risiken, sondern lieber einen klaren Kopf behalten, den Schatten schätzen lernen, in den frühen oder späten Tagesstunden trainieren und viel aber nicht zu kalt trinken, dann ist ist alles kein Problem.