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17.11.2017 --- 20:35

Der Ärger mit dem Rücken!

erschienen im Stadtmagazin BLICK. des Landkreises SFA - Ausgabe 03/2008

oder, eine unendliche Geschichte.


Über das Thema Rücken zu schreiben ist nicht lustig. Nicht weil das Thema ernst ist, nein, eher weil es unglaublich kompliziert ist. Fragen Sie mal in Ihrem Bekanntenkreis wer schon mal Rückenbeschwerden gehabt hat oder hat. Falls Sie jemanden finden, der noch sauber ist, können Sie Ihm oder Ihr getrost einen ausgeben (keine Sorge, es wird nicht teuer). Danach fragen Sie mal, wer schon Knie- oder Hüftbeschwerden hatte. Das Ergebnis dürfte ziemlich klar zu Ungunsten des Rückens ausfallen. Dann fragen Sie mal woher die denn wohl kommen. Die Antworten werden kaum überraschen, am häufigsten werden zu wenig Bewegung, Verschleiß, Verspannung, Stress, Fehlhaltungen, sogar Vererbung genannt. Die Zahl der möglichen Ursachen ist so vielfältig wie die Zahl der Betroffenen. Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, es wäre nicht Ihr Rücken, sondern ein Auto, bei dem die Spur nicht richtig eingestellt ist. Sie wissen es zwar, wechseln aber munter die Reifen, die Bremsbeläge, vielleicht sogar die Lager. Und dann fahren Sie weiter. Ihr Kfz-Mechaniker würde, wenn er gut ist die Reparatur verweigern und sie mit einem Fußtritt hinaus befördern. Woran liegt es, dass viele Menschen mit Ihrem Auto immer noch sorgfältiger sind, als mit Ihrem Rücken?

Es gibt fast niemanden mehr (über 30), der nicht über Verspannungen im Schulter- Nackenbereich klagt. Beschwerden im Lendenwirbelbereich sind auch den meisten vertraut. Letztlich muss man sich fragen, ob die Zahlen sich tatsächlich so drastisch verschlechtert haben, oder das Thema Rücken einfach stärker im Fokus der Öffentlichkeit liegt. Ein wenig verwundert es schon, da die vergangenen Generationen oft körperlich härter gearbeitet haben und das Thema Rücken oft noch unter dem volkstümlichen Titel "Abnutzungserscheinungen und Verschleiß" abgehandelt wird. Wo liegen dann die Gründe für die zunehmende "Verrückung" unserer Gesellschaft?

Tatsache ist das es heute immer mehr Menschen gibt, die sich immer weniger bewegen. Die meisten Wege werden mit dem Auto erledigt, die Anzahl der Büroarbeitsplätze steigt. Langsam aber sicher verschwinden die Hindernisse aus unserem Leben, es gibt keine Kopfsteinpflaster mehr, Fahrstühle ersetzen die Treppen, Erwachsene müssen nicht mehr auf Bäume klettern, um Obst zu pflücken. Im heimatlichen Fernsehsessel wird dem Rücken dann der letzte Ansporn genommen, seine Position ab und an um einen viertel Zentimeter zu verändern. Würde man sich unseren Rücken als Kind vorstellen, könnten ihn kinderfeindliche Zeitgenossen als verwöhnte, träge, sture, ideenlose, gelangweilte und trotzdem gestresste Göre bezeichnen. In allen Adjektiven stecken auch schon die Ursachen des Dilemmas. Wir bewegen den Rücken zu wenig, dadurch verliert er seine Flexibilität, seine Lebendigkeit und seine Fähigkeit, sich auf neue Situationen einzustellen. Da wir trotzdem im Alltag oft Leistungsdruck empfinden stellt unser Gehirn alle Muskeln auf Vorspannung (der sogenannte Gammatonus), was sich irgendwann in Steifheit und Unbeweglichkeit ausdrückt. Weil wir dann Beschwerden bekommen, wollen wir den geplagten Rücken schonen. Er wird in Watte gepackt, in bequeme Sessel gesetzt. Jetzt verarmt er noch mehr. Ein elender Kreislauf. In der Physiotherapie wurde der Leitsatz geprägt, dass die Funktion den Körper formt, sprich, wenn der Rücken nicht bewegt wird, kann er sich eines Tages nicht mehr bewegen. Er "meckert" in seiner Sprache mit Schmerzen.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen über die Entstehung der Beschwerden. Ursachen gibt es so viele, wie es Menschen gibt und genauso viele Behandlungsansätze gibt es auch. Für jeden und mit jedem Menschen der in eine Praxis, in ein Studio oder eine Rückengruppe kommt muss letztlich ein eigener Weg gefunden werden.

Dabei ist der Versuch, Rückenbeschwerden nur an den Symptomen zu packen, in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. In der Regel machen die Schmerzen uns darauf aufmerksam, dass etwas an unserem Lebensstil nicht in Ordnung ist. Wie die Ursachen zu bewerten sind und was dazu führt, dass aus einem Ungleichgewicht eine Schmerzen werden, ist meist sehr schwierig zu ermitteln. Wichtig ist zunächst eine gute ärztliche Diagnostik, um herauszufinden ob bereits eine Schädigung vorliegt. Nur ein kleiner Teil der Rückenbeschwerden basiert allerdings tatsächlich auf einer Schädigung von Bandscheiben, Wirbelkörper oder Spinalnerven, die eine weitergehende ärztliche Behandlung erfordert. Der erheblich größere Anteil ist Resultat von Fehlhaltungen, mangelnder Körperwahrnehmung, verkrampften Bewegungen, Bewegungsmangel, mangelnder körperlicher Zentrierung, psychischem und emotionalem Druck. Im Grunde genommen erfordert es eine komplette Analyse der Lebenssituation, der beruflichen und emotionalen Belastungen, einen Befund unserer körperlichen Statik, unseres Gleichgewichtes und unserer Rumpfstabilität. Eine Aufgabe, die in der orthopädischen Praxis in diesem Umfang heute kaum noch geleistet werden kann. Wer Rückenbeschwerden hat, wird also kaum um eine Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Lebensgewohnheiten herum kommen. Mehr als bei anderen Beschwerdebildern muss eine sinnvolle Behandlung den Menschen befähigen, selbst für seinen Rücken zu sorgen, ihm das Maß an Bewegung, Entspannung, Gelassenheit, Fürsorge zukommen zu lassen, damit er sich nicht träge, taub und verkrampft anfühlt, sondern vital, entspannt und weit.

Im Sport und in der Physiotherapie kümmert man sich darum, den Rücken wieder vital werden zu lassen. Es gibt viele Wege dafür, Rückenschulgruppen, Wirbelsäulengymnastik, Pilates, Yoga, Entspannungsverfahren, Massage, Training im Fitness Studio sind nur die Wichtigsten. Eine namhafte Rückenfitnesskette wirbt mit dem Slogan, dass nur ein starker Rücken ein gesunder Rücken ist. Aus meiner Sicht ist das etwas arm, denn es müsste heißen, das nur ein kraftvoller, entspannter, beweglicher, gelassener, gut durchbluteter, bewusster und zentrierter Rücken ein gesunder Rücken sein kann. In alle diese Richtungen sollten auch unsere Bemühungen gehen. Wenn Sie also etwas für sich und Ihren Rücken tun wollen, dann machen Sie sich auf den Weg. Man weiß vorher nie genau wo man landet und was man braucht, aber Sie werden sich körperlich weiterentwickeln. Viele die sich massieren lassen, entdecken plötzlich Ihr natürliches Bewegungsbedürfnis. Viele, die glauben sie müssten hart trainieren (deutsche Unart), merken, dass Ihrem Rücken einfach nur lockere Bewegung, Entspannung oder Ruhe fehlt. Selten gibt es einen Standardweg, meistens ist es eine Entdeckungsreise.

Wenn Sie mit Bewegung für sich beginnen möchten, bieten sich oft Rückenschulkurse als Start an. Gut sind auch Bewegungsformen ohne Leistungsdruck wie Thai Chi, Qi Gong, Pilates, Personal Training, Training im Fitness Studio, einige Varianten des Yoga oder Wassergymnastik. Die Krankenkassen fördern über den Präventionsparagraphen §20 SGB die Teilnahme an solchen Kursen und bezuschussen sie. Beratung darüber erhalten Sie von Ihrem Arzt, der Krankenkasse oder bei uns im Fitness Studio TV Jahn. Eine kleine Auswahl von Übungen zum Rückentraining finden Sie auch auf der Homepage des Studios   unter dem Bereich "Training/das beste Rückentraining". Es lohnt sich sich auf den Weg zu machen, denn nur ein lebendiger Rücken ist auf Dauer ein gesunder Rücken.