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19.11.2017 --- 4:17

Heidewinter ohne Schnee!

erschienen im Stadtmagazin BLICK. des Landkreises SFA - Ausgabe 02/2008

oder, wie schütze ich mein Knie vor dem Skiurlaub!

Der Februar hat schon fast die Hälfte erreicht und es ist immer noch keine Flocke gefallen. Viele Heidjer entschädigen sich für den mangelnden Winter damit, dass sie Skilaufen oder Snowboardfahren gehen. Abgesehen von Schwierigkeiten ein Skigebiet zu finden, in dem man in Europa ökologisch zumindest halbwegs unbedenklich unterwegs ist und in dem dann tatsächlich auch noch wirklichen, wahrhaftigen, weißen Schnee bekommt, ist das eine klasse Idee. Die Berge sind für uns Flachländer immer ein echtes Abenteuer, der Horizont ist immer versteckt und die Auswahl an Brot ist auch meist geringer. Skifahren in all seinen Varianten ist einfach genial, wer einmal von diesem Fieber gepackt wurde, den lässt es selten wieder los.

Aus der Sicht eines Trainers ist der durchschnittliche Skifahrer ein klarer Wackelkandidat. Die wenigsten Skiläufer fahren körperlich vorbereitet in die Berge, meist steht der Skiurlaub mitten im Winter, zu einer Zeit,  in der der Trainingszustand ohnehin oft nicht der Beste ist. Dabei sind die Beanspruchungen beachtlich. Bei einem 10 tägigen Urlaub werden meist 7-8 Tage auf der Piste verbracht, darin sind in der Regel 5- 6 Stunden Skilaufen oder Snowboard pro Tag enthalten. 35 Stunden Sport in 10 Tagen ohne Vorbereitung, nicht schlecht. Jeder Leistungssportler würde sich darüber kaputtlachen.

Nachdem ich jetzt in den Verdacht geraten bin, ein Miesmacher zu sein, möchte ich kurz sagen, worum es mir wirklich geht. Nichts ist schöner, als im März gegen 16 Uhr bei tief stehender Sonne, noch zwei, drei Abfahrten machen zu können, dann nämlich wenn der Großteil der Urlauber mit schmerzenden Knien, Rücken oder Knöcheln bereits schweißgebadet mit der Gondel Richtung Tal fährt. Um das zu schaffen, braucht es außer einer guten Fahrtechnik auch einige Kondition, da mangelt es bereits oft. Der Urlaub macht aber bedeutend mehr Spaß, wenn man vorbereitet fährt.

Was brauchen wir dafür. Das Minimum sind stabile Kniegelenke, das Maximum nach oben ist natürlich offen. Für das Maximum gibt es Skigymnastik in Vereinen, Training in Fitness Studios, Workouts auf DVDs oder auch Skihallen, mit denen man sich einstimmen kann. Wer eine andere Sportart betreibt und sich darüber regelmäßig fit hält, ist damit manchmal auch schon gut versorgt. Der Teil unseres Körpers, der sich auf der Piste am ehesten als anfällig herausstellt sind allerdings unsere Knie. Beim Skifahren sind unsere Knie eigentlich unsere Füße, da diese ja meist im Skistiefel fixiert sind. Die Knie müssen jede Unebenheit des Bodens abfangen, seitliche Scherkräfte ertragen und auch noch unser Körpergewicht ausbalancieren.  Für einen gezielten Muskelaufbau der Oberschenkelmuskulatur wäre es jetzt Anfang Februar natürlich schon ein bisschen zu spät, aber was braucht unser Knie denn wirklich, um stabiler zu sein. Wenn uns der Talski plötzlich ausbricht können wir unserer kräftigen, willkürlichen Oberschenkelinnenseite ja mal sagen :“okay, Knie bricht aus, Oberschenkelinnenseite aktivieren um Knie nach innen zu stabilisieren, aber zackzack.“ Der Vorgang würde viel zu lange dauern, das Bein wäre lange verdreht und wir würden den Schnee schmecken. Die Muskulatur, die unser Kniegelenk in einer Bewegung stabilisiert, arbeitet ohne dass wir denken und handeln müssen, völlig selbständig. Wir müssen sie nur trainieren.

Der einfachste Weg besteht darin, genau das zu tun, was auf der Piste auch passiert, nämlich das Knie gezielt und absichtlich zu destabilisieren, es also zu verwirren. Stellen Sie sich doch bitte einmal barfuss auf ein Kissen, verlagern Sie das Gewicht auf einen Fuß und versuchen Sie dann einbeinig langsam das Standbein etwas anzuwinkeln. Wackeln Sie? Wenn ja, prima, dann gibt’s was zu üben. Wenn nein, macht nix, dann müssen wir es für Sie etwas schwerer machen. Entweder Sie nehmen ein dickeres Kissen, oder aber sie machen kleine Sprünge (1cm hoch), oder Sie schließen einfach die Augen (bitte den Glascouchtisch vorher rausstellen).

Wichtig dabei ist, dass Sie nicht nach vorne in die Kniespitzen gehen, sondern sich eher etwas mit dem Po nach hinten setzen (asiatische Hocke), die Hände können dabei als Ausgleich nach vorne genommen werden. Experimentieren Sie mit Materialien auf denen Sie stehen, legen sich mal eine gefaltete Wolldecke, Kissen unter die Füße, allerdings nur so viel, dass Sie sich halbwegs sicher fühlen. Hören Sie auf, wenn Sie merken, dass das Wackeln stärker wird, überlegen Sie sich neue Herausforderungen, wenn Sie ruhig stehen. Das Zittern und Wackeln des Knies ist der für benötigte Reiz führt zu einer verbesserten unwillkürlichen Koordination im Gelenk und einer Kräftigung und Aktivierung der schnellen gelenkschützenden Muskelfasern. Das sind die Fasern die Sie innerhalb einer zwanzigstel Millisekunde retten werden, wenn der Talski ausbricht.

Eine Beschreibung der Übungen mit Photos finden Sie im Internet unter www.studiotvjahn.de unter "Training" und "Kniestabilisation" oder wenn Sie mit dem Begriff „Kniestabilisation“ mal in einer Suchmaschine nachschauen. Viel Spaß dabei, denn Spaß wird es machen.