Vorbericht IFA Club World Cup 29.10.-01.11.2026
Vier Jahre, vier internationale Medaillen und ein Weltmeistertitel. Wenn die Faustballerinnen des TV Jahn Schneverdingen Ende Oktober zur Klub-Weltmeisterschaft nach Chile aufbrechen, schließt sich für die Heideblütenstädterinnen ein besonderes Kapitel ihrer Vereinsgeschichte. Vom 29. Oktober bis 1. November kämpfen sechs Frauenmannschaften aus drei Kontinenten in Llanquihue um den Weltpokal. Für die Rot-Weißen ist es mehr als das nächste internationale Kräftemessen: Nach Jahren auf der großen Faustballbühne wird es vorerst ihr letzter Auftritt auf diesem Niveau. Entsprechend groß ist die Vorfreude, noch einmal alles in die Waagschale zu werfen.
Dabei führt die Reise die Schneverdingerinnen zurück auf den Kontinent, auf dem ihre internationale Erfolgsgeschichte begann. 2022 feierte der TV Jahn bei den World Tour Finals im brasilianischen Curitiba seine Premiere und belohnte sich auf Anhieb mit Bronze. Nur ein Jahr später folgte an gleicher Stelle der bislang größte Triumph: Im Finale gegen Gastgeber Clube Duque de Caxias, der sich eigens mit einer Schweizer Spitzenangreiferin verstärkt hatte, krönten sich die Heideblütenstädterinnen zum Klub-Weltmeister. Auch danach gehörten sie zur absoluten Weltspitze. 2024 lieferten sie sich in Mannheim ein hochklassiges, dramatisches Endspiel mit dem TSV Dennach, mussten sich aber ebenso mit Silber begnügen wie 2025 im österreichischen Vöcklabruck, als die Schwäbinnen das Finale deutlich für sich entschieden. Vier Teilnahmen, vier Podestplätze – eine Bilanz, die den TV Jahn zu einer festen Größe im internationalen Vereinsfaustball gemacht hat. Mit Helle Großmann, Aniko Müller und Laura Kauk stehen noch drei Spielerinnen im Aufgebot, die alle vier Turniere bestritten haben. Auch Luca von Loh gehörte in Brasilien fest zur Mannschaft, ehe sie eine Faustballpause einlegte und 2024 lediglich für das Weltfinale in Mannheim kurzfristig einsprang. Nun kehrt sie regulär auf die internationale Bühne zurück. Alina Karahmetovic, die in den vergangenen beiden Finaljahren an Kauks Seite eine feste Größe in der Abwehr war, übernimmt inzwischen das Zuspiel. Mit Nachwuchsspielerin Merle Mund feiert zudem ein neues Gesicht seine internationale Vereinspremiere. Dass die Jahnlerinnen noch einmal um den Weltpokal spielen dürfen, hängt auch mit der Neuausrichtung des internationalen Wettbewerbs zusammen. Nach rückläufigen Teilnehmerzahlen setzte der Weltverband IFA die bisherigen World Tour Finals für ein Jahr aus und schuf für 2026 den Club World Cup. Ab 2027 kehren die World Tour Finals mit einem veränderten Qualifikationssystem zurück: Neben drei Kontinentalmeistern und dem Gastgeber erhalten die vier besten Teams der World Tour einen Startplatz. Für Schneverdingen ist dieser Weg kaum erreichbar. Zusätzliche World-Tour-Turniere mit häufig langen Anreisen ließen sich bislang nicht mit dem ohnehin vollen Wettkampfkalender vereinbaren. Damit bleibt vor allem die Qualifikation über einen europäischen Titel – und die verlangt angesichts der starken Konkurrenz höchste sportliche Leistungen. Mit dem dritten Platz beim Champions Cup im September in Ahlhorn steht nun fest, dass die Heidschnucken im kommenden Jahr nicht erneut um den Weltpokal spielen werden. Auch für die europäischen Champions Cups 2027 fehlt die Qualifikation: In der Halle war eine Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft aufgrund der fehlenden Spielberechtigung nicht möglich, auf dem Feld verpassten die Rot-Weißen mit DM-Bronze den erforderlichen Finaleinzug. Damit wird 2027 erstmals seit mehreren Jahren kein internationaler Wettbewerb mit Schneverdinger Beteiligung stattfinden. „Uns war schon vor der Reiseplanung bewusst, dass Chile vorerst unser letzter Weltpokal sein könnte“, erklärt Trainerin Christine Seitz. „Wir haben uns die internationalen Teilnahmen über Jahre hart erarbeitet. Dass wir jetzt noch einmal diese Möglichkeit bekommen, ist etwas Besonderes. Natürlich wollen wir sportlich das Maximum herausholen, aber wir wissen auch, dass diese gemeinsame Reise keine Selbstverständlichkeit ist.“ Dafür haben insbesondere Seitz, Olaf Neuenfeld und Eric Heil im Hintergrund gesorgt. Sie übernahmen die aufwendige Organisation der Südamerikareise, kümmerten sich um finanzielle Förderungen und Unterstützungen und schufen damit die Voraussetzungen, damit sich die Mannschaft ganz auf den Sport konzentrieren kann. Wie viel diese letzte gemeinsame Reise bedeutet, ist auch innerhalb des Teams spürbar. „Wenn man zurückblickt, was wir in den vergangenen Jahren alles zusammen erlebt haben, ist das schon etwas Besonderes. Wir haben einen Weltmeistertitel gewonnen und standen jedes Mal auf dem Podest. Zu wissen, dass es vorerst unsere letzte Reise zu einem solchen Turnier sein wird, macht das Ganze natürlich emotional. Wir wollen diese Tage noch einmal richtig genießen, aber vor allem auch zeigen, warum wir so lange zur Weltspitze gehört haben“, beschreibt Laura Kauk die Gefühlslage vor dem Abflug. Sportlich könnte die Herausforderung kaum größer sein. Auf der Anlage des Club Gimnástico Alemán Llanquihue, unmittelbar am gleichnamigen See mit Blick auf die schneebedeckten Vulkane Südchiles, trifft der TV Jahn auf internationale Spitzenmannschaften. Als einer der großen Favoriten reist der Ahlhorner SV an, der erst im September seinen europäischen Champions-Cup-Titel verteidigte. Mit SOGIPA Porto Alegre wartet zudem der amtierende Südamerika-Meister. Das Feld komplettieren der argentinische Vizemeister C.C.A.A. Rosario, US-Champion South Jersey Fistball Club und Gastgeber Llanquihue. Nicht vertreten ist dagegen der TSV Dennach – ausgerechnet jener Verein, der Schneverdingen in den vergangenen beiden Weltfinals bezwang. Gespielt wird zunächst jeder gegen jeden, ehe die vier besten Teams ins Halbfinale einziehen. Für die Rot-Weißen beginnt das Turnier am Donnerstag, 29. Oktober, gegen South Jersey und SOGIPA. Am Freitag folgen die Begegnungen mit Ahlhorn und dem Gastgeber, bevor am Samstagmorgen Rosario den Abschluss der Vorrunde bildet. Noch am selben Tag stehen die Halbfinals an, die Medaillenentscheidungen fallen am Sonntag. „Bei einer Weltmeisterschaft gibt es keine einfachen Spiele. Gerade die südamerikanischen Mannschaften sind für uns schwer einzuschätzen, weil wir nur selten direkt aufeinandertreffen“, blickt Seitz voraus. „Entscheidend wird sein, dass wir schnell ins Turnier finden, als Mannschaft geschlossen auftreten und unser Leistungsvermögen konstant abrufen. Wenn uns das gelingt, wollen wir auch in Chile wieder um die Medaillen mitspielen.“ Nach einer Feldsaison mit Verletzungen, wechselnden Aufstellungen und immer neuen Herausforderungen ist die Klub-Weltmeisterschaft der sportliche Höhepunkt eines außergewöhnlichen Jahres. In Chile wollen die Schneverdingerinnen ihre Podest-Serie ein letztes Mal fortsetzen und damit ihre persönliche Erfolgsgeschichte abrunden, die 2022 in Brasilien begann.










