Vorbericht Männer-Europameisterschaft 12.–15.08.2026
Die nächste Titelmission führt Olaf Neuenfeld nach Dänemark: Wenn am Mittwoch in Tønder erstmals eine Männer-Europameisterschaft auf dänischem Boden beginnt, steht der Schneverdinger erneut an der Seitenlinie der deutschen Nationalmannschaft. Seit 2006 trägt Neuenfeld die Verantwortung für das deutsche Männerteam, hat es zu vier Weltmeistertiteln und zahlreichen weiteren internationalen Erfolgen geführt. Nun soll in Tønder der nächste Europameistertitel folgen – mit einem Kader, der sich gegenüber den vergangenen Großereignissen allerdings deutlich verändert hat.
Die jüngere EM-Bilanz könnte kaum eindrucksvoller sein. Seit dem dritten Platz 2012 gewann Deutschland jede ausgetragene Europameisterschaft: 2014 in Olten, 2016 in Grieskirchen, 2018 in Adelmannsfelden, 2022 in Kaltern und zuletzt 2024 in Frauenfeld. Gerade der jüngste Erfolg besitzt für Neuenfeld besonderen Stellenwert. Nach zahlreichen Rücktritten musste er damals eine neue Mannschaft formen, die im Finale überraschend den favorisierten Österreichern in einem Sieben-Satz-Krimi den Titel entriss. Bei den World Games 2025 folgte Silber nach der Finalniederlage gegen Brasilien. Auch diesmal reist Deutschland nicht mit derselben Formation zum nächsten Großereignis. Gleich vier Spieler stehen in Tønder vor ihrem EM-Debüt, zusätzlich musste Neuenfeld nach einer Verletzung kurzfristig einen weiteren Abwehrspieler nachnominieren. „Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Spielern, die in die Mannschaft drängen“, sieht Neuenfeld darin auch eine Chance. „Das ist durchaus ein Vorteil, wenn neue Spieler Druck machen und neue Impulse einbringen.“ Bevor es am Dienstag Richtung Dänemark ging, holte der Bundestrainer seinen EM-Kader noch einmal nach Schneverdingen. Bei der abschließenden Vorbereitung lag der Schwerpunkt vor allem auf der Abstimmung – denn der letzte Härtetest lieferte einen Warnschuss zur richtigen Zeit. Gegen die Schweiz verlor Deutschland beim Obersee Masters mit 1:4 und beendete anschließend auch das Turnier lediglich auf Rang sieben. Beunruhigen lässt sich der erfahrene Bundestrainer davon nicht. „Das war sicherlich keine Glanzleistung von uns. Ich denke, dass es ein rechtzeitiger Warnschuss war. Wir wissen, dass wir es besser können. In Dänemark werden die Karten neu gemischt.“ Zeit zum Hineinfinden bleibt dem Titelverteidiger ohnehin kaum. Deutschland hat mit Österreich, der Schweiz und Italien eine stark besetzte Vorrundengruppe. Zum Auftakt wartet am Mittwoch um 14.15 Uhr Italien, am Donnerstag folgen Österreich um 12.30 Uhr und die Schweiz um 18.30 Uhr. In der zweiten Gruppe kämpfen Gastgeber Dänemark, Tschechien, Belgien und Serbien um die Platzierungen. Nach der Vorrunde, in der innerhalb der Gruppen jeder gegen jeden spielt, erreichen alle acht Nationen das Viertelfinale. Ab dort entscheidet jedes Spiel über den weiteren Weg: Die Sieger ziehen am Freitagnachmittag ins Halbfinale ein, am Samstag folgen um 15 Uhr das Spiel um Bronze und um 17 Uhr das Finale. Gerade die anspruchsvolle Vorrunde dürfte früh zeigen, wo Neuenfelds neu formierte Mannschaft tatsächlich steht. Neben Österreich zählt der Bundestrainer inzwischen vor allem die Schweiz zum Kreis der größten Konkurrenten. Die Eidgenossen unterstrichen ihre Form zuletzt nicht nur gegen Deutschland, sondern auch mit einem 3:0-Erfolg gegen Brasilien. „Wir haben als Ziel den EM-Titel ausgegeben. Alles andere würde unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden“, macht Neuenfeld dennoch keinen Hehl aus den deutschen Ambitionen. Für den 56-Jährigen besitzt die Europameisterschaft darüber hinaus eine besondere persönliche Note. Von 2002 bis 2005 trainierte Neuenfeld selbst die dänische Nationalmannschaft und führte sie unter anderem erstmals zu den World Games. Die Verbindungen ins Nachbarland bestehen bis heute. Den Austragungsort in Tønder kennt er bereits von einem Besuch im vergangenen Jahr. „Damals war schon eine Energie und Vorfreude zu verspüren. Ich bin mir sicher, dass es eine außergewöhnliche und top-organisierte EM wird.“ Mehr als zwei Jahrzehnte später kehrt Neuenfeld nun als Trainer des Titelverteidigers nach Dänemark zurück. Die Favoritenrolle ist nach dem personellen Umbruch und den zuletzt durchwachsenen Testspielen keineswegs so eindeutig wie die beeindruckende deutsche EM-Serie vermuten lässt. Am Anspruch des Rekord-Bundestrainers ändert das wenig: Fünf Europameistertitel in Folge stehen bereits in den Büchern – in Tønder soll der sechste folgen.










